Gebündelte Kräfte für den Wiedereinstieg

Gebündelte Kräfte für den Wiedereinstieg

Rückkehr als erster Schritt nach vorne

Nach einem längeren Ausfall in die Arbeitswelt zurückzukehren, ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Gedanken , was war und was sein wird,  Angst, was man schaffen kann – und oft eine Scheu, diese Themen anzusprechen. Welche Maßnahmen können die Rückkehr erleichtern? Worauf muss der Dienstgeber achten? Wir haben zwei Expertinnen aus Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie gefragt.

Die Arbeitsmedizinerin Dr. Sandra Reisinger-Swan und die Arbeitspsychologin Mag. Tina Deutenhauser wissen worauf es zu achten gilt, damit der Wiedereinstieg gelingt.

Was ist zu beachten, wenn Menschen nach langer psychischer oder physischer Krankheit wieder ins Arbeitsleben zurückkommen?

Reisinger-Swan: Da ist umfassende Expertise gefordert. Ein Wiedereinstieg ist oft mit negativen physischen und psychischen Beanspruchungen verbunden. Die Zusammenarbeit von Arbeitsmedizinern, Arbeitspsychologen und Sicherheitsfachkräften mit dem Arbeitgeber, den unmittelbaren Vorgesetzten und dem Betriebsrat ist wesentlich für erfolgreiche Wiedereingliederung. Nach einem ausführlichem Gespräch und kompletter Arbeitsanamnese wird gemeinsam ein individuelles stufenweises Wiedereingliederungsprogramm erstellt.

Deutenhauser: Ein Wiedereinstieg ist für die Beteiligten, sowohl Betroffene als auch KollegInnen und Führungskräfte, selten romantisch. Es gibt Phantasien zu dem, was war und was sein wird, es stellen sich viele Fragen, aber gleichzeitig gibt es eine Scheu davor, die Dinge direkt beim Namen zu nennen. Starke Emotionen sind oft unterschwellig vorhanden. Doch der Arbeitsplatz ist keine Therapiegruppe. Die  wichtigste Fragestellung sollte sein: Was brauchen alle Beteiligten für Ihre Arbeitsfähigkeit?

Wie kann ein solches Wiedereingliederungsprogramm aussehen?

Reisinger-Swan: Entscheidend dabei ist, dass auf die eigeschränkte Leistungsfähigkeit geachtet wird. Ein erleichterter Einstieg wird entweder durch die Anpassung der Arbeitsbedingungen, durch eine Reduzierung der Arbeitszeit oder einer Erleichterung der Aufgaben auf befristete Zeit ermöglicht. Damit wird Druck reduziert, die Angst einer zu frühen Überbelastung genommen und die Freude und Motivation an der täglichen Arbeit bewahrt. Die Einhaltung und Erreichung der vereinbarten Ziele sollten anschließend in regelmäßigen Abständen besprochen werden, um den Fortschritt der Integration zu überwachen. Der/die ArbeitsmedizinerIn sollte bei der Wiedereingliederung eine Vermittlerrolle einnehmen, einerseits als BeraterIn der Firma, andererseits als Vertrauensperson des Arbeitnehmers/der Arbeitnehmerin.

Was ist von Seiten der Arbeitspsychologie noch zu beachten?

Deutenhauser: Klarheit hilft, wenn es darum geht einen geeigneten Weg zum Wiedereinstieg zu finden. Es ist nicht immer möglich und auch nicht nötig, ALLES rund um die (insbesondere psychische) Erkrankung  zu verstehen, verbindliche Vereinbarungen können als Basis für einen Einstieg durchaus ausreichen. Klarheit bedeutet aber auch, dass es neben dem Versuch der Wiedereingliederung, die Möglichkeit des „Stop“ bzw. „Nein“ gibt. Wenn also keine solche Vereinbarung gefunden werden kann, muss auch darüber Klarheit hergestellt werden. Was ein überaus anspruchsvoller Prozess ist, der durch Unterstützung von außen erleichtert werden kann.